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FAQ zur aktuellen Lage im Gasmarkt

18. Mai 2022

Aktuell ist genügend Gas vorhanden. Die Gasversorgung ist für alle Verbraucher inkl. der Industrie im Moment gesichert, wobei sich die Preise allerdings auf einem ausserordentlich hohen Niveau befinden.

FAQ zur aktuellen Lage im Gasmarkt

Wie sicher ist die Gasversorgung aktuell in der Schweiz?
Aktuell ist genügend Gas vorhanden. Die Gasversorgung ist für alle Verbraucher inkl. der Industrie im Moment gesichert, wobei sich die Preise allerdings auf einem ausserordentlich hohen Niveau befinden. Die Herausforderung der Gasversorgung stellt sich aber für den kommenden Winter aufgrund des anhaltenden Ukraine-Konflikts. 

Was unternimmt die Branche gegen die drohenden Engpässe?
Die Gaswirtschaft unternimmt grosse Anstrengungen, um die Winterversorgung sicherzustellen. Zusätzlich hat der Bundesrat beschlossen, dass die Gaswirtschaft gemeinsam Kapazitäten beschaffen darf ohne kartellrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Über unseren Beschaffungspartner (Gasverbund Mittelland AG) haben wir Gas-Speicherkapazitäten in Frankreich gesichert. Bis im Herbst wird dieser Gasspeicher kontinuierlich gefüllt.

Woher beschafft die Schweiz ihr Erdgas?
Die Schweiz beschafft das Gas primär auf den Märkten in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Italien und somit in Ländern der EU. Die Schweizer Gaswirtschaft hat keine direkten Lieferbeziehungen zu Russland. Der Anteil des russischen Gases ist auf den Märkten der Länder, in denen die Schweiz das Gas kauft, unterschiedlich hoch.

Die europäischen Länder und die EU arbeiten mit Hochdruck daran, Abhängigkeiten von russischem Gas zu reduzieren und die Bezugsmöglichkeiten breiter abzustützen. Dabei spielt verflüssigtes Erdgas, sogenanntes LNG (Liquefied Natural Gas) eine wichtige Rolle, da auf diese Weise Gas aus den unterschiedlichsten Weltregionen beschafft werden kann.

Was könnte zu einer akuten Gas-Mangellage führen?
Es stehen Szenarien im Raum, dass der Westen ein Gasembargo gegen Russland beschliesst oder dass Russland seine Gaslieferungen einstellt. Ein gänzlicher Ausfall von russischen Gaslieferungen könnte in Europa nicht vollständig kompensiert werden. Das könnte auch in der Schweiz zu einer Mangellage / Versorgungsengpässen führen.

Was passiert bei einer Gas-Mangellage?
Sollte in der Schweiz eine Mangellage entstehen, trifft die wirtschaftliche Landesversorgung des Bundes die notwendigen Bewirtschaftungsmassnahmen.

Wie könnten diese Bewirtschaftungsmassnahmen aussehen?
Auf einer ersten Stufe würden Sparapelle an alle Gas-Verbraucher gerichtet. Ausserdem werden Verbraucher, die über eine sogenannte Zwei-Stoff-Anlage verfügen, aufgefordert, auf Heizöl umzustellen. Schliesslich kann der Bund in einer Notlage auch anordnen, dass bestimmte Grossverbraucher mit Einstoff-Anlagen kontingentiert werden. Im Extremfall müssten diese ihre Anlagen zeitweise ganz abschalten.

Welche Auswirkungen könnte diese Krise auch noch auf die Branche haben?
Die gegenwärtige Krise fördert das Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Gasproduktionen, was sich wiederum positiv auf die Klimaziele auswirken wird. Hierbei müssen aber bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Noch immer wird lediglich die Stromproduktion aus Biogas unterstützt, die der Gasversorgung keinen Nutzen bringt. Auch in den kantonalen Energiegesetzen müssen die Rahmenbedingungen so ausgestaltet sein, dass Biogas in allen Kantonen als erneuerbare Energie anerkannt wird. Im Weiteren wird importiertes Biogas vom Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit nach wie vor wie Erdgas behandelt, das heisst es wird eine CO2-Abgabe erhoben. Es braucht rasch ein nationales Register für Herkunftsnachweise für erneuerbare Gase, das mit anderen Ländern vernetzt werden kann, sowie klare Regeln für den Import. Diese Aufgaben müssen jetzt mit Hochdruck angegangen und gelöst werden. (Quelle: Verband der Schweizerischen Gasindustrie)


Hintergrund

Wie stark ist die Schweiz von russischem Erdgas abhängig?
Aktuell beträgt der Anteil an Gas, welches in der Schweiz zur Energieversorgung benötigt wird, 15%. Knapp die Hälfte davon betrifft russisches Gas. Das Gas wird vor allem fürs Heizen und Kochen verwendet. In der Industrie wird es auch für Produktionsprozesse eingesetzt. Ein Teil dieser Anlagen (Zweistoff-Anlagen) können bei einer Mangellage auch auf Heizöl umstellen.

Gesamtenergiestatistik Schweiz (Endverbrauch 2020: 208 TWh)

   
Erdölprodukte: 44% (91 TWh)
Gas: 15% (31 TWh)
Kohle: <1% (1 TWh)
Elektrizität:                     27% (56 TWh)
Übrige: 14% (29 TWh)

 

Wie bezieht die Schweiz aktuell ihr Gas?
Die Schweiz bezieht ihr Gas über internationale Handelsplätze, in erster Linie in den umliegenden EU-Ländern. Für die nächsten Monate zeichnet sich keine Knappheit ab, aber bereits im Winter 2022/23 könnten es zu Schwierigkeiten kommen. Die EU arbeitet mit Hochdruck dran, die Gasspeicher zu füllen und Alternativen zum russischen Gas aufzubauen. 

Wynagas beschafft ihr Erdgas zum grössten Teil über den Gasverbund Mittelland (GVM), welcher das Erdgas über die SET (Swiss Energy Trading) auf dem internationalen Markt beschafft und den Teil des Hochdrucknetzes in der Nordwestschweiz betreibt, an welchem sie angeschlossen ist. 

Die Schweiz ist sehr gut ins internationale Gasfernleitungsnetz eingebunden. Das Erdgas der Schweiz stammt hauptsächlich aus den Transportleitungen von Europa und hat deshalb die gleiche Zusammensetzung wie das Europäische Erdgas. Gemäss dem Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) sah die Zusammensetzung 2021 folgendermassen aus (Quelle: VSG, Herkunft 2021).

   
Russland: 43%
Norwegen: 22%
EU: 19%
Algerien: 3%
Sonstige:  13%

 

Dieser Mix kann sich aufgrund der Kriegssituation in der Ukraine und der Sanktionierungsmassnahmen noch verändern. Das bisher via Gaspipelines nach Europa gelieferte russische Erdgas muss dann ersetzt werden entweder durch die Lagerstätten in der EU (noch ca. 30% Restbestand), durch Erhöhung der Lieferung über bestehende Pipelines aus Nordafrika sowie durch verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas LNG). Dieses kann aus verschiedenen Ländern wie zum Beispiel Katar, Bahrein, USA, Kanada per Schiff an knapp 40 Europäische LNG-Terminals angeliefert werden.